München bietet in der Hitze durchaus Schatten und Wasser – München

Von Angela Boschert, Sabine Buchwald, David Pister, Konstantin Rek und Melanie Strobl

Der Asphalt flimmert, der Schweiß läuft in Bächen, und die Sonne knallt erbarmungslos auf das Pflaster. Diese Woche überschreiten die Temperaturen in München wieder die 30-Grad-Marke. Kurz vor den Sommerferien müssen sich die Menschen abkühlen oder suchen schattige Orte. Viele Münchner gehen daher schwimmen im Eisbach oder in der Isar. Dort dürfte es an den heißen Tagen richtig voll werden. München hat aber noch mehr zu bieten.

Viel Platz auf der Liegewiese, aber auch viel Schatten: Der Feldmochinger See ist groß genug, um ganz unterschiedliche Bedürfnisse befriedigen zu können – auch den Sprung ins kühle Wasser.

(Foto: Robert Haas)

Feldmochinger See

Hier trifft Stadt auf Land. Am Rand von München, inmitten von Getreide-Feldern, befindet sich der Feldmochinger See. Für einen heißen Sommertag die perfekte Wahl. Gefühlsmäßig außerhalb, aber doch gut angebunden. Es empfiehlt sich, eine Rad-Tour in den Norden Münchens zu unternehmen. Dann kann man auch dem benachbarten Fasanerie- und dem Lerchenauer See einen Besuch abstatten. Münchens Drei-Seen-Platte, wenn man so will. Auch mit der U-Bahn ist man schnell am Ziel: einfach die U2 bis zur Endhaltestelle Feldmoching fahren und einen kleinen Fußmarsch unternehmen. Nachdem man sich äußerlich erfrischt hat, kann man sich an Andys Seehäusl ein Eis holen und so von innen kühlen. Um den See herum gibt es ausladende Liegewiesen mit alten Bäumen und Sträuchern, sodass auch bei großem Andrang ein Plätzchen im Schatten gewiss ist. Der Feldmochinger See ist als Dorado der Grill-Enthusiasten bekannt. Im westlichen Teil des Sees ist es erlaubt, den Grill anzuwerfen. Wer sich vor der Erfrischung sportlich betätigen will, findet auf dieser Seite des Sees ein Beachvolleyball-Feld. Drei Frischwasserquellen garantieren das ganze Jahr erfrischende Temperaturen und sorgen obendrein noch für eine sehr gute Wasserqualität.

Strategien gegen die Hitze: Hier kann man noch ganz allein mit sich und der Natur sein: Spaziergänger im Perlacher Forst.

Hier kann man noch ganz allein mit sich und der Natur sein: Spaziergänger im Perlacher Forst.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Perlacher Forst

München besitzt viele schöne Parks, doch an heißen Tagen sind der Englische Garten oder der Westpark oft voller Menschen. Ruhe findet man dort oft nicht. Eine Ausnahme bietet der große Perlacher Forst im Süden Münchens. Das Waldgebiet dehnt sich über 13 Quadratkilometer aus – groß genug für einen Spaziergang ganz für sich allein. Zudem bietet der Perlacher Forst nicht nur Schatten zum Schutz vor der Sonne, sondern auch viele Wege zum Spazieren oder Wandern. Der Perlacher Mugl mit der Aussicht auf die Alpen ist dabei immer ein beliebtes Ziel, wenngleich dort die Sonne den Spaziergänger meist direkt anstrahlt. Im Hinblick auf die anstehende Hitze sind die vielen Möglichkeiten zum Picknick im Schatten der Bäume geeigneter. Auch Tierliebhaber werden bei einem Spaziergang durch den Wald auf ihre Kosten kommen. Empfehlenswert sind dabei das Reh- oder Wildschweingehege.

Strategien gegen die Hitze: Große Platanen werfen ihren Schatten im Kabinettsgarten der Residenz.

Große Platanen werfen ihren Schatten im Kabinettsgarten der Residenz.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Kabinettsgarten

Neben Abkühlung sind auch Ruhe und Entspannung an heißen Tagen gefragt. Der Kabinettsgarten an der königlichen Residenz kann das bieten. Gelegen zwischen den Fassaden der Allerheiligen-Hofkirche und dem Cuvilliés-Theater kann man in dem nur 1000 Quadratmeter großen Garten dem Lärm und Trubel der Großstadt entfliehen, sich erholen oder ein Buch lesen. 1832 wurde der Garten angelegt, doch schon im 20. Jahrhundert verwilderte er. Danach war er nur noch Gemüsegarten oder Hühnerhof. Erst 2002 beschloss das bayerische Finanzministerium, den Park neu zu gestalten und beauftragte den Landschaftsarchitekten Peter Kluska. Seit 2003 ist der Kabinettsgarten nun für die Öffentlichkeit über einen schmalen Eingang vom Marstallplatz aus zugänglich. Zwar sticht der Mittelweg, der von flachen Wasserflächen mit geometrischen Mosaiken begrenzt wird, direkt ins Auge, doch einen schattigen Platz findet man dort kaum. Dafür ist eher die westliche Seite zu empfehlen, wo vier große Platanen mit ihren Baumkronen viel Schutz vor der Sonne bieten. Gepaart mit dem kleinen Brunnen in der Mitte der Platanen lässt sich die Hitze dann auf einigen Bänken gut aushalten.

Strategien gegen die Hitze: Viel Platz unter Bäumen und Sonnenschirmen: der Biergarten des Leiberheims.

Viel Platz unter Bäumen und Sonnenschirmen: der Biergarten des Leiberheims.

(Foto: Florian Peljak)

Leiberheim

Schon seit 1911 bietet das Leiberheim in Waldperlach schattige Plätze und Verkostung an. Ursprünglich wurde es für die Angehörigen des Bayrischen Infanterie-Leib-Regiments des Königs, volkstümlich “die Leiber” genannt, als Erholungsheim gebaut. Im Jahr 1919 spielte schon die Laienspielgruppe “Keastöck”, aus der sich die heutige Volksbühne Volksbühne Neubiberg-Ottobrunn entwickelte, im Theatersaal des Waldperlacher Leiberheims und hat noch heute dort ihren Proben- und Spielort. Das Leiberheim am Nixenweg hat sich von 1948 an zum Wirtshaus mit großem Biergarten entwickelt. Draußen, unter den mächtigen Kastanienbäumen, finden bis zu 2200 Personen Platz, wobei es erfahrungsgemäß mittwochs am Schnitzeltag enger wird. Bedienen lassen kann man sich auf der Terrasse mit 180, davon 100 wetterfest überdachten Plätzen, wo Küchenchef Joachim Schneider außer bayerischen Spezialitäten auch mediterrane Leckereien zaubert. Kinder vergnügen sich auf dem großen Spielplatz, und zum Verdauungsspaziergang lädt der benachbarte Schopenhauer-Wald Neubibergs ein. Der Biergarten ist bei schönem Wetter täglich, auch montags, ab 15 Uhr und an den Sonn- und Feiertagen ab 11 Uhr geöffnet. Anfahrt mit Bus 55 bis Endstation Waldperlach-Süd.

Strategien gegen die Hitze: Kühlt tatsächlich die Temperatur um zwei Grad herunter: die Skulptur "Nebel. Leben".

Kühlt tatsächlich die Temperatur um zwei Grad herunter: die Skulptur “Nebel. Leben”.

(Foto: Andrea Rossetti)

Haus der Kunst

Das Haus der Kunst am Englischen Garten ist in diesen heißen Wochen vielleicht der coolste Ort der Stadt. Gründe gibt es mehrere dafür: Die Solnhofer Platten am Boden und die hohen Decken sorgen im Sommer immer für ein angenehmes Raumklima. Dann sind dort noch bis 31. Juli die Nebelskulpturen der japanischen Künstlerin Fujiko Nakaya zu erleben. Im Inneren wabern im Viertelstundentakt von kleinsten Tröpfchen geschwängerte künstliche Wolken durch die Räume. Das wirkt schon mal optisch kühlend. Tatsächlich aber fällt in diesen Nebelschwaden-Momenten die Temperatur von 24 auf 22 Grad. Die Beschäftigung mit Leben und Werk von Fujiko Nakaya erlaubt zusätzlich eine geistige Abkühlung. Sie ist die Tochter des Physikers und Glaziologen Ukichiro Nakaya, dem es in den Dreißigerjahren als erstem gelang, künstliche Schneekristalle im Labor herzustellen. Die Beschäftigung mit Wasser, Luft und ökologischen Fragen hat die Künstlerin, 1933 geboren, von Kindheit an geprägt. So entstanden ihre Arbeiten. Für alle, die sich weniger eingehend mit der Ausstellung “Nebel. Leben” beschäftigen möchten: An der Ostseite des Hauses an der Prinzregentenstraße 1 sorgt Fujiko Nakayas Skulptur “Munich Fogfall” für kostenlose Freude. Alle zehn Minuten verbreiten an der Hauskante angebrachte Düsen während der Öffnungszeiten feinsten Wasserdampf. Je nach Witterung fällt er gerade die Wand hinunter oder verdünnisiert sich in Richtung Eisbach. Am Samstag, 30. Juli, zum Abschluss der Ausstellung, übrigens bis Mitternacht. Öffnungszeiten und weitere Infos: https://hausderkunst.de

Strategien gegen die Hitze: Beliebter Aufenthaltsort unter Bäumen: der Pariser Platz in Haidhausen.

Beliebter Aufenthaltsort unter Bäumen: der Pariser Platz in Haidhausen.

(Foto: Robert Haas)

Franzosen-Viertel

Das französische Viertel in Haidhausen überzeugt nicht nur mit schönen alten Häuserfassaden. An heißen Tagen bietet es auch an seinen vielen Plätzen schattige Rückzugsorte. So zum Beispiel am Pariser Platz. Unter breiten Baumkronen stehen mehrere Parkbänke, die zum Verweilen einladen. Durch die umliegenden Cafés und Läden gibt es dort fast immer etwas zu beobachten. Auch ein paar Meter weiter am Weißenburger Platz finden Hitzeflüchtlinge Sitzmöglichkeiten, die im Schatten liegen. Im Sommer besonders schön: die vielen bunten Blumen, die sich um den runden Platz herum präsentieren. In der Mitte des Weißenburger Platzes türmt sich der Glaspalast-Brunnen auf. Wer zumindest Hände und Füße abkühlen möchte, kann sich an den Brunnenrand setzen. Eine dritte Möglichkeit, um im französischen Viertel Schatten zu finden, bietet der Bordeauxplatz. Die längliche Grünfläche säumt eine Allee aus Linden. Auf den Parkbänken darunter lässt es sich auch bei heißen Temperaturen gut aushalten. Oft sieht man hier Kinder und Spaziergängerinnen und Spaziergänger mit Hunden, die auf der Wiese spielen. In der Mitte des Bordeauxplatzes liegt ein Brunnen – der ist vor allem bei Kindern beliebt.

Strategien gegen die Hitze: Feine Nebelschleier im künftigen Naturbad: Die Georgenschwaige ist derzeit Heimat der "Fluffy Clouds".

Feine Nebelschleier im künftigen Naturbad: Die Georgenschwaige ist derzeit Heimat der “Fluffy Clouds”.

(Foto: Dagmar Schult, Fluffy Clouds)

Fluffy Clouds

Wer Erfrischung im Georgenschwaigbad sucht, ist erst einmal enttäuscht. Denn die 50-Meter-Bahn ist mit Sand zugeschüttet. Allerdings könnte die Enttäuschung bei näherer Betrachtung in Begeisterung umschlagen. Das Bad Georgenschwaige in Nordschwabing soll in den kommenden Jahren zu einem Naturbad umgewandelt werden. Damit die Grünflächen in der Übergangszeit nicht leer stehen, gibt es eine Zwischennutzung. “Fluffy Clouds” nennt sich das Projekt, das von Mai bis Ende September alles bietet, was es für einen gelungen Sommertag braucht. In den Becken des Schwimmbads findet man nicht nur den größten Sandkasten Münchens, sondern auch mehrere Beachvolleyball-Felder. Für die nötige Erfrischung an heißen Tagen sorgt ein Wasserspielplatz. Nachdem man beim Volleyball alles gegeben hat, kann man sich von der Erfrischungsanlage berieseln lassen. Und das im wahrsten Sinne des Wortes: Feine Wassertröpfchen werden im Schatten der Sonnenschirme in die Luft gesprüht. Das alles kostenlos.

Strategien gegen die Hitze: Abkühlung am Wasserpilz: der Brunnen am Frauenplatz.

Abkühlung am Wasserpilz: der Brunnen am Frauenplatz.

(Foto: Florian Peljak)

Wasserpilz am Frauenplatz

Pilze, egal ob Hautpilz oder Schwammerl, haben’s gerne feucht. So verhält es sich auch mit den Wasserpilzen auf dem Frauenplatz. Direkt vor der Frauenkirche sprießen mindestens zwei Dutzend direkt aus einem Brunnen. Anders als bei Steinpilz, Pfifferling und Edelreizker ist der Ort, wo die Wasserpilze aus dem Boden wachsen, kein Geheimnis, das Kenner lieber für sich behalten. An heißen Tagen nutzen viele den Brunnen, um die Beine hineinzuhängen und sich zu erfrischen. Auch die zahlreichen Stufen rund um den Brunnen laden an warmen, sonnigen Tagen zum Verweilen ein, da sie im Schatten der Bäume und der Kirche liegen. Das Wasser steht nicht still, sondern sprudelt aus der Mitte der Pilze und läuft über den Hut ab. Als Bernhard Winkler den Brunnen 1972 gestaltet hat, trug er einen anderen Namen: Wasserglockenbrunnen. Da die Sprudelsteine ihren Verwandten im Wald so sehr ähneln, wird der Brunnen seit den Achtzigern Wasserpilz-Brunnen genannt. Winkler hat eine Vielzahl an Brunnen realisiert und gilt als “Vater der Fußgängerzone Münchens”. Nicht nur tagsüber lohnt sich ein Besuch am Brunnen. Wenn es dunkel ist, werden die Wasserpilze von unten beleuchtet. Das Wasser, das sich über die Pilze ergießt, wirkt golden, und dann breitet sich eine mystische Atmosphäre auf dem Frauenplatz aus. Wer dort vorbeikommt, weiß zwar, dass der Brunnen derzeit saniert und erweitert wird. Aber voraussichtlich zu Beginn der Sommerferien soll er wieder in Betrieb gehen.

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